
Es ist das Jahr 2007, Stephanie ist 28 Jahre alt und glücklich verheiratet mit Marcel, der ebenfalls gläubiger Christ ist. Ihr Leben ist rundum schön. Stephanie ist gerade zum zweiten Mal Mama geworden. Dass sie sich ausgelaugt und nicht besonders gut fühlt, ist nach der Geburt und ihrem niedrigen Hb-Wert nachvollziehbar. Während der Schwangerschaft bemerkte sie Blut im Stuhl, hatte aber sonst keine Beschwerden. Deshalb wurde erst nach der Geburt eine Darmspiegelung durchgeführt. Dann kam der Tag mit dem erschütternden Ergebnis: Darmkrebs, ein bösartiger Tumor. Die kleine Lena ist gerade einmal 21 Monate alt und Felix erst seit drei Monaten auf der Welt.
Eine gewaltige Erschütterung. Liebe Stephanie, was ging da in dir vor?
Stephanie: Oh ja! Die Diagnose überraschte mich so sehr, ich war wie betäubt. Wie sollte es nun weitergehen? Mein Mann Marcel und ich waren uns sicher, dass Gott uns durch diese Situation hindurchführen würde. Vielleicht musste dieser Tumor einfach nur entfernt werden, dann wäre alles gut. Schliesslich war ich noch jung. Gott musste doch das Leben einer jungen Mutter beschützen! Er hatte uns gerade erst ein zweites Kind geschenkt.
So nahmen wir die nun folgenden, mit vielen Terminen gefüllten Wochen in Angriff.
Die OP überstand ich gut. Zu unserer aller Freude und grosser Erleichterung brauchte ich kein Stoma und durfte Felix bei mir haben und stillen. Meine Mama unterstützte mich tagsüber, da ich Probleme hatte, selbstständig aufzustehen. Abends kümmerte sich Marcel um Felix, der Nacht für Nacht ohne Unterbrechung durchschlief. Ein Wunder! Wir sahen darin Gottes grosse Güte. Ich spürte, wie er sich um mich sorgte und meine Gebete hörte. Ich fühlte mich ihm ganz nah. Diese Erfahrung und der tief empfundene Friede mit der Gewissheit, dass er immer bei mir sein würde, waren wie ein Vorschuss, den er mir für die folgenden Monate gab.
Du tönst es an: Du kamst an deine Grenzen, wie du es vorher nicht für möglich gehalten hättest ...
Genau. Die Erholungsphase dauerte leider nicht lange. Der histologische Befund fiel deutlich schlechter aus als erwartet und machte eine Chemotherapie und Bestrahlung nötig. Da war es wieder, dieses Gefühl der Ohnmacht. Es folgten zehn Zyklen Chemotherapie und dreiunddreissig Bestrahlungen. Morgen für Morgen musste ich ins Krankenhaus fahren, ausser an den Wochenenden.
Dann kam mein 29. Geburtstag. Während meine Mama den Vormittag mit Lena verbrachte, fuhr ich zur täglichen Bestrahlung ins Krankenhaus. Mein Mann hatte Sommerferien und war mit Felix, der eine Behandlung brauchte, im Krankenhaus. Als ich mittags nach Hause kam, stand ein Krankenwagen vor unserem Haus. Mama wurde auf einer Liege herausgetragen. In der Nacht kam dann der Anruf aus dem Krankenhaus, dass sie verstorben sei. «Stopp! Vater im Himmel, das wird mir zu viel!», schrie es in mir.
Deine Schwiegermama machte dir Mut, auf Römer 8,28 zu vertrauen. Dass «alle Dinge zu unserem Besten dienen», ist in solchen Momenten wohl schwer fassbar.
Sie sagte, dass wir auch dann, wenn wir nicht wissen, wozu eine Situation gut ist, daran festhalten wollen, dass Gottes Wort wahr ist und wir ihm vertrauen dürfen. Seitdem versuche ich, in allen Lebensumständen, in die Gott mich führt, nach dem Guten zu suchen. Nicht immer entdecke ich es, aber meine Haltung verändert sich. Traue ich Gott zu, dass er alles überschaut? Traue ich ihm zu, dass er weiss, was ich brauche? Vertraue ich ihm, dass er es gut mit mir meint und weiss, was er tut?
«Denn ich weiss ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht zum Unglück, um euch Ausgang und Hoffnung zu gewähren» (Jer. 29,11).
Im Annehmen liegt Frieden! Das sagt sich leichter, als es sich lebt.
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