Die Weihnachtszeit ist doch wirklich die allerschönste Zeit im Jahr, oder?
Elisabeth Weise
3. Januar 2026

Pia und Paul jedenfalls finden das. Kennst du die beiden noch? Sie haben ein ganz besonderes Zuhause, denn sie wohnen mitten im Heimstädter Zoo. Ihr Vater leitet den Zoo, deswegen wohnt die Familie Hesselmann in der alten Zoodirektorenvilla, gleich hinter dem Nashorngehege. In der Weihnachtszeit sieht hier alles noch viel schöner aus als sonst: Mama hängt in jedes Fenster einen Stern, der im Dunkeln hell leuchtet. Überhaupt ist der ganze Zoo weihnachtlich geschmückt. An manchen Gehegen hängen Lichterketten und neben dem Eingang steht ein prächtiger Weihnachtsbaum. In diesem Jahr ist in der Adventszeit alles noch aufregender als sonst. Das liegt daran, dass Kara, die Tigerdame, trächtig ist. Ende Dezember wird sie ihre Babys zur Welt bringen. Für den Zoo ist das ein grosses Ereignis: Alles rund um die Geburt wird sorgfältig vorbereitet und überwacht. 

Wie jeden Tag laufen Paul und Pia nach der Schule zuerst zum Tiergehege und schauen nach, ob Karas Bauch wieder etwas dicker geworden ist. Hier treffen sie Sofia, die nette Tierpflegerin mit dem blonden Pferdeschwanz. 

«Hallo ihr zwei! Wollt ihr auch nach unserer werdenden Mutter sehen? Sie sieht prächtig aus, oder?» 

Die drei stehen vor dem Tigergehege und schauen Kara zu, die sich gerade ausgiebig in ihrer Sandgrube wälzt. 

«Das finde ich auch», meint Pia. «Sie bekommt ja auch spezielles Futter, oder?» 

«Genau. Und heute haben wir alles für die Geburt vorbereitet. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, aber man kann ja nie wissen, wann genau es so weit ist. Schaut mal da hinten in der Ecke des Geheges, unter dem Felsvorsprung. Da haben wir die Wurfkiste aufgestellt.» 

Jetzt erst bemerken die Kinder die grosse Holzkiste mit mehreren Klappen. 

«Die ist ja riesig! Und darin soll Kara ihre Babys kriegen?» 

«Genau. Unter der Kiste ist eine Wärmeplatte, sodass es die Tigerwelpen schön warm haben. Ab morgen wird dieser Teil des Geheges abgehängt, damit die Besucher Kara nicht stören.» 

«Ach schade!», meint Paul enttäuscht, «dann sehen wir ja gar nichts von den Kleinen!» 

«Es ist wichtig, dass Kara sich ganz ruhig und sicher fühlt. Doch ich kann dich trösten: In der Kiste gibt es eine Videokamera, sodass man draussen auf einem Bildschirm alles beobachten kann, was im Inneren geschieht.»

Am nächsten Tag ist alles so, wie Sofia es den Kindern erklärt hat. Der geschützte Teil des Geheges, in dem die Wurfkiste steht, ist mit schwarzen Stoffbahnen verhängt. Dafür kann man auf einem kleinen Bildschirm in das Innere der Kiste schauen. Sie ist mit Sand ausgestreut und in einer Ecke sieht man ein grosses Nest aus Heu.

«Das sieht aber gemütlich aus», meint Pia. «Alles ist so gut vorbereitet.»

Aber in den nächsten Tagen passiert nichts.

Lesen Sie die ganze Kindergeschichte in ethos 07/2025