
Erziehen ist kein Kinderspiel, sondern die grösste Herausforderung – und dafür gibt es kein Patentrezept. Allerdings gilt: Nur ein Erzogener kann erziehen. Vorbildliche Eltern können Orientierung bieten und den Rahmen für die Entwicklung starker Kinder schaffen.
Heranwachsende sind heute nicht «ungezogener oder böser» als früher. Doch die Welt der Erwachsenen hat sich verändert. Der fortgeschrittene Pluralismus in unserer Gesellschaft stellt eine Herausforderung dar. Die Vielfalt der Lebensstile und «Familienformen» ist gross. Jugendliche leiden besonders unter der hohen Scheidungsrate und der damit verbundenen Tatsache, bei nur einem Elternteil aufzuwachsen.
Der Wertewandel im ethisch-moralischen Bereich fordert weiter heraus. Das klassische und ehemals christliche Familienbild wird durch die zunehmende Sexualisierung des gesellschaftlichen Lebens, die Gender-Ideologie und die Freiheit des Einzelnen immer mehr bekämpft. Politisch wird eine Umwälzung der Gesellschaft mit einer neuen Weltanschauung vorangetrieben, in der Menschen lediglich geschlechtsneutrale Wesen sind.
Sich in einer Gesellschaft mit unzähligen Wahlmöglichkeiten entscheiden zu müssen, erschwert die Identitätsfindung junger Menschen. Dies zeigt sich besonders im Bereich der beruflichen Orientierung, wo das Überangebot an Möglichkeiten vielfach überfordert. Aber auch die Medien-, Erlebnis- und Kommunikationsgesellschaft trägt dazu bei, dass Spiel, Spass und Spannung wichtiger sind als Frustrationstoleranz, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen.
Erziehen ist keine fortwährende Bürde, sondern eine grosse Aufgabe. Wenn Kinder spüren, dass sie uns lästig sind, werden sie später tatsächlich zur Last. Wer Wertschätzung erfährt, wird sich auch selbst wertschätzen, denn Lob schliesst Herzen auf. Es hilft dabei, ein Ja zur individuellen Situation zu finden. Unsere Kinder brauchen eine positive Lebenseinstellung, die wir ihnen durch eine dankbare Grundhaltung, geprägt von christlichen Werten, vermitteln.
Geborgenheit – Gemeinschaft – Gespräch
Neun Monate lang hat ein Kind unter dem Herzen seiner Mutter gelebt. Nach der Geburt bleibt die Sehnsucht nach Geborgenheit. Erziehung beginnt bereits vor der Geburt. Und die ersten Jahre sind entscheidend. «Jedes Neugeborene ist eine physiologische Frühgeburt», so der Soziologe Portmann. Kinder brauchen ein Nest und Hilfe, sich darin zurechtzufinden.
Der renommierte Kindertherapeut Wolfgang Bergmann warnt: «Das Hauptübel ist, dass den Kindern in den ersten 18 Monaten heute oft das entzogen wird, was sie in ausreichender Verlässlichkeit von der Mutter für die Substanz des kindlichen Selbstwertgefühls brauchen – nämlich die Sicherheit, ich bin willkommen auf der Welt. Der Klang der mütterlichen Stimme, die Bewegung des mütterlichen Körpers erzeugen Körperempfinden, das weit über das hinausgeht, was wir mit unseren Sinnen erfassen. Das macht den Sturz in die Welt für ein Kind erst erträglich.»
Das Bewusstsein, Mama ist da, schafft Sicherheit. Und diese ist unbedingt nötig, damit die Kinder nicht verunsichert und ängstlich in einer Welt mit so vielen rasanten Veränderungen aufwachsen. Geborgenheit ist wichtiger als Lustbefriedigung. Sie hat mit Schutz und Wärme zu tun und bedeutet Nähe. Ein sicheres Nest und die Möglichkeit, sich dorthin zurückzuziehen, geben Kindern Stärke und Sicherheit.
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